Feministischer Lesekreis

Wie viele Autorinnen kannst du auf Anhieb nennen? Der Schulunterricht, Rezensionszeitschriften und die Liste der Literaturnobelpreisträger_innen etc. suggerieren uns, Frauen hätten kaum bzw. lediglich qualitativ minderwertige Texte verfasst und enthalten uns vor, dass die ersten überlieferten Werke von Frauen bereits 4000 Jahre alt sind, dass schon im Mittelalter erste feministische Schriften verfasst wurden und dass schreibende Frauen immer schon von gesellschaftskonformen Rollenbildern abgewichen sind.

In diesem Sinne haben wir einen feministischen Lesekreis ins Leben gerufen und treffen uns monatlich jeden ersten Dienstag um 16 Uhr Online. Anmeldung und Link zum Online Meeting: support@igfem.at oder hier: https://form.jotform.com/yesigfem/igfem-anmeldeformular

Werkbesprechungen

9. April 16 Uhr

Birgit Birnbacher: „Wovon wir leben“

Birnbachers neues Buch stellt mit „unpathetischer Empathie“ (Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau) zentrale Lebensfragen in packender und poetischer Sprache. Ihre Fähigkeit, komplexe Emotionen einfühlsam zu vermitteln, macht das Werk zu einem wichtigen Beitrag zeitgenössischer und gesellschaftskritischer Literatur

Anmeldung: support@igfem.at

Mareike Fallwickl Die Wut, die bleibt

Schönes neues Jahr und wir starten mit dem Lesekreis am Dienstag den 6. Februar 2024 – wie zukünftig – immer um 16 Uhr. Termine sind dann monatlich jeden ersten Dienstag um 16 Uhr. Anmeldung und Link zum Online Meeting: support@igfem.at

Mareike Fallwickl, „Die Wut, die bleibt“. Roman

Mareike Fallwickl: Die Wut die bleibt

In Mareike Fallwickls Roman „Die Wut, die bleibt“ wird die Wut von Frauen auf eine männlich dominierte Welt dargestellt. Es konzentriert sich auf drei Frauen – Helene, Sarah und Lola –, die auf unterschiedliche Weise mit ihrer Wut umgehen. Helenes Selbstmord wirkt sich tiefgreifend auf ihre Tochter Lola und ihre Freundin Sarah aus und setzt eine Geschichte über Trauer, Rebellion und Selbsterkenntnis in Gang. Der Roman thematisiert weibliche Ermächtigung und kritisiert strukturellen Sexismus sowie gesellschaftliche Normen. Fallwickls Werk ist eine eindringliche Untersuchung des Kampfes um Gleichberechtigung.

Ingeborg Bachmann „Drei Wege zum See“

ÄNDERUNG: Ab September findet der feministische Lesekreis an jedem ersten Dienstag im Monat von 16:00 bis 18:00 via Jitsi-Meet trifft. Die Teilnahme ist kostenlos.

Ingeborg Bachmann, „Drei Wege zum See“

Ingeborg Bachmann: Simultan Erzählungen

Ingeborg Bachmann „Malina“ – Vertiefung

Ingeborg Bachmann: Malina

Ausnahme: vom 3. bis 5.10. findet unser Literaturfestival statt. Daher ist der nächste Termin der 10.10.

Gelesen und besprochen wird MALINA von Ingeborg Bachmann. Mit den Werken von Ingeborg Bachmann beschäftig sich auch die Theoriegruppe in einem Herbstschwerpunkt.

Olivia Wenzel „1000 serpentinen angst“

Treffen 5. Juli von 16 bis 18 Uhr: Zweiter Teil vom 7. Juni 2023…

»Ich habe mehr Privilegien, als es je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen. «Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst

Gertraud Klemm „Einzeller“

Gertraud Klemm: Einzeller

Wem gehört der Feminismus? Auf der Suche nach Frauensolidarität seziert Gertraud Klemm in ihrem neuen Roman das, was vom Feminismus übriggeblieben ist. Solange wir uns wie Einzeller gebärden, wird das nie etwas mit der Geschlechtergerechtigkeit. In Simone Hebenstreits neuer WG versammeln sich fünf Frauen aus verschiedenen Generationen, mit verschiedenen Ansichten. Was sie eint, ist ihr Widerstand gegen den drohenden Rechtsruck. Wahlen stehen an, und diesmal werden Herdprämien, Müttergeld und Abtreibungsverbote versprochen. In einem Reality- TV-Format diskutieren die Frauen öffentlich ihre Positionen, und bald zeigen sich die Bruchlinien zwischen ihnen und ihren feministischen Vorstellungen von Religion, Gender-Identität und Sexarbeit: Während sie einander vor laufender Kamera zerfleischen, nimmt die politische Wende ihren Lauf. https://shop.chicklit.at/Belletristik/Romane-und-Erzaehlungen/Einzeller::10093.html

“Wertschätzende Verbundenheit in der Positionierung” – war das Ergebnis der spannenden und intensiven Diskussion der Online Gruppe zu “Einzeller”

Fannie Flagg „Grüne Tomaten“

Dies ist die Geschichte von Ruth Jamison und Idgie Threadgoode und ihrem Café in Whistle Stop, Alabama. Hier braucht niemand zu bezahlen, die Schwarzen werden trotz des KuKluxKlans bedient, und wenn es sein muß, halten die Menschen zusammen wie Pech und Schwefel.

Ninnie Threadgoode erzählt der dicken, unscheinbaren Evelyn ihre Erinnerungen an diese wunderbare Zeit. Allmählich entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen, die Evelyn neuen Lebensmut gibt. Was Ninnie sie lehrt ist, daß Wärme und Humor reicher machen als alles Geld der Welt.

Slata Roschal „153 Formen des Nichtseins“

Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins

Mieko Kawakami „Brüste und Eier“

Mieko Kawakami: Brüste und Eier

Wenn man wissen will, wie arm jemand war, fragt man ihn am besten, wie viele Fenster die Wohnung hatte, in der er aufgewachsen ist.

Im Gegensatz zur letzten Sitzung unseres feministischen Lesekreises, bei der mit Annie Ernaux‘ „Das Ereignis“ ein Roman über die Geschichte einer Abtreibung im Vordergrund stand, ging es heute mit „Brüste und Eier“ von Mieko Kawakami um die Frage, ob auch Kinderwunsch ein feministisches Thema ist. Im Zentrum der Diskussion: die Reduktion der Frau auf ihre Funktion als Gebärerin oder Sexualobjekt, das Ausbrechen der Protagonistin aus den sexistischen Strukturen der japanischen Gesellschaft durch die Weigerung, dem Narrativ des klassischen Familienlebens zu folgen und wieso in dem Wort shocho (erste Blutung) Anfang, Ebbe und Flut, gute Gelegenheit und Kundengefälligkeit als Konnotationen mitschwingen. Einig waren wir uns nicht zuletzt darüber, dass wir alle durch das gemeinsame Sprechen über das Buch neue Perspektiven darauf gewonnen haben und die Lektüre somit eine nachhaltigere und eindrücklichere geworden ist.

Annie Ernaux „Das Ereignis“

Anni Ernaux: Das Ereignis

Etwas erlebt zu haben, egal, was es ist, verleiht einem das unveräußerliche Recht, darüber zu schreiben. Es gibt keine minderwertige Wahrheit. Wenn ich diese Erfahrung nicht im Detail erzähle, trage ich dazu bei, die Lebenswirklichkeit von Frauen zu verschleiern, und mache mich zur Komplizin der männlichen Herrschaft über die Welt.

Am 6. Dezember traf sich unser feministischer online-Lesekreis zum letzten Mal in diesem Jahr. Im Zentrum der Diskussion: »Das Ereignis« der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, welche im Rahmen einer autobiographischen Erzählung ihr eigenes Leben und davon ausgehend die gesellschaftlichen (Macht-)Strukturen im Frankreich der 60er Jahre, insbesondere männliche Herrschaftsansprüche über den weiblichen Körper, analysiert. Eine Thematik die mit dem polnischen Abtreibungsgesetz oder dem Kippen von Roe v. Wade so aktuell ist wie je zuvor!

Bernardine Evaristo „Girl, Woman, Other“

Bernardine Evaristo: Girl, Woman, Other

What matters most to me, is that I know how I feel, and the rest of the world might catch up one day, even if it’ll be a quiet revolution over longer than my lifetime, if it happens at all.

Am 2. November fand unser feministischer Lesekreis zu Bernardine Evaristos »Girl, Woman, Other« statt. Dieser multiperspektivische Roman gibt anhand von 12 spannenden, vielschichtigen und vor allem nachvollziehbaren Charakteren 12 verschiedene Antworten auf die Frage, was es heißt eine Frau bzw. nicht-binäre Person in einer patriarchalen Gesellschaft zu sein. Er hat uns einmal mehr gezeigt, dass Literatur die einzigartige Fähigkeit besitzt, verdrängte Geschichten zu erzählen und wie wichtig ein feministisches Narrativ darin ist!

Cécile Wajsbrot „Nevermore“

Time Passes, To the Lighthouse, in diesem Buch ist ebenso viel von Licht die Rede wie von Zeit. Und was für ein schönes Wort, lighthouse, das französische Wort phare ist auch schön, aber man hört das Licht nicht darin, wenngleich man sich den Lichtstrahl vorstellt. Das deutsche Wort »Leuchtturm«, der leuchtende Turm, ist dem englischen Wort näher, auch wenn das »Leucht« gedämpft scheint im Vergleich zu »Licht« oder zu dem strahlenden Klang des englischen Wortes light, und ein Bild heraufbeschwört, das weniger sharp ist und clear.

Am 5. Oktober traf sich unser feministischer online-Lesekreis, um gemeinsam über Cécile Wajsbrots Roman »Nevermore« zu diskutieren. Neben der translationalen Poetik, die im Zwischenraum der Sprachen, der sich in der Übersetzung von oder besser (in der sprachlich-tastenden Annährung an) Virginia Woolfs »To the Lighthouse« öffnet, wurde erörtert, inwiefern die die eigene Sprache in der Übersetzung zu einem Fremdort wird, an dem ein Gefühl des zu Hause seins nicht mehr möglich ist. Hierin sehen wir auch die feministische Dimension des Textes: die Übersetzung ermöglicht ein Lösen von patriarchalen Sprach- und den ihnen inhärenten Gewaltstrukturen. Fazit: Eine Lektüre, deren einzigartige Sprachmelodie noch lange nachwirkt!

Kim Hey-Jin „Die Tochter“

Nicole Seifert „Frauenliteratur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“

Nicole Seifert: Frauenliteratur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt

Madeline Miller „Ich bin Circe“

Madeline Miller: Ich bin Circe

Olga Tokarczuk „Gesang der Fledermäuse“