Offener Brief an den Wiener Bürgermeister, Dr. Michael Ludwig
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ludwig,
mit großem Befremden haben wir die Mitteilung erhalten, dass die Förderung der ≠igfem – Interessensgemeinschaft Feministische Autorinnen – um 25 % gekürzt werden soll.
Diese Entscheidung trifft ausgerechnet jene Organisation, die sich seit Jahren kontinuierlich und auf allen Ebenen für die strukturelle Gleichstellung von Autorinnen und Künstlerinnen einsetzt – und dies mit einem ohnehin sehr kleinen Budget.
Aktuelle Berichte, auch aus dem Bereich des BMKÖS, zeigen deutlich: Künstlerinnen verdienen spartenübergreifend nach wie vor am wenigsten, der Gender Pay Gap im Kunst- und Kulturbereich zählt zu den höchsten. Frauen sind hervorragend qualifiziert, vielfach präsent, aber in Leitungsfunktionen unterrepräsentiert, schlechter bezahlt und strukturell benachteiligt. Diese Realität ist bekannt, dokumentiert und kulturpolitisch vielfach benannt worden.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet eine Initiative gekürzt wird, die diese Schieflagen sichtbar macht, internationale Projekte nach Wien bringt, Nachwuchsautorinnen vernetzt, Forschung initiiert und Vermittlungsarbeit leistet, die sonst niemand in dieser Form übernimmt.
Die Kürzung stellt daher nicht nur eine budgetäre Maßnahme dar, sondern sendet ein kulturpolitisch widersprüchliches Signal: Während Gleichstellung öffentlich eingefordert wird, wird jene Infrastruktur geschwächt, die konkret daran arbeitet.
Wir ersuchen nicht um eine symbolische Geste, sondern um eine neuerliche inhaltliche Bewertung dieser Entscheidung im Hinblick auf die tatsächliche Wirkung unserer Arbeit für die Wiener Literaturszene und darüber hinaus.
Unser Ziel bleibt es, diese Arbeit fortzusetzen – im Interesse einer vielfältigen, zeitgemäßen und fairen Kulturlandschaft.
Mit besten Grüßen
Gerlinde Hacker
Dorothea Pointner
IG feministische Autorinnen
≠igfem
06.03.2026

















