Analyse der Situation von Autorinnen
FORBA-Studie:
Diskriminierung von Frauen im
österreichischen Literaturbetrieb
Prekäre Einkommen, strukturelle Benachteiligung, sexuelle Belästigung und männlich geprägte Machtstrukturen: Eine von ≠igfem initiierte Studie untersucht die Arbeits- und Lebensbedingungen von Autorinnen in Österreich.
Wer kann es sich leisten, Schriftstellerin zu sein? Wer entscheidet darüber, welche Literatur veröffentlicht, gefördert, besprochen und ausgezeichnet wird? Und welche Auswirkungen haben geschlechtsspezifische Diskriminierung und Machtmissbrauch auf das literarische Schaffen?
Diesen Fragen ist die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) im Rahmen des EU-Projekts EPESEP – Equal Pay, Equal Show, Equal Pension nachgegangen.
Die Untersuchung verbindet eine umfangreiche Online-Befragung mit qualitativen Interviews und Expertächen. Ziel ist es, die geschlechtsspezifische Datenlücke im österreichischen Literaturbetrieb zu schließen und konkrete kulturpolitische Maßnahmen zu entwickeln.
Die wichtigsten Ergebnisse
- 73,1 % der befragten Autorinnen und nicht-binären Personen gehen neben dem Schreiben einer weiteren bezahlten Beschäftigung nach.
- 44,4 % erzielen keine oder kaum Einnahmen aus ihrer schriftstellerischen Tätigkeit.
- 28,7 % weisen deutliche Anzeichen wirtschaftlicher Prekarität auf.
- 83,6 % sind der Ansicht, dass Werke von Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlechter bewertet oder behandelt werden.
- 62,8 % berichten von geschlechtsspezifischer Benachteiligung bei der Bezahlung.
- 73,4 % haben innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens eine der abgefragten Formen sexueller Belästigung im Literaturbetrieb erlebt.
- 49,5 % haben aufgrund sexistischer Erfahrungen darüber nachgedacht, bestimmte Themen nicht mehr zu behandeln.
Die Ergebnisse beziehen sich auf die Befragten einer nicht repräsentativen Online-Erhebung.
Strukturelle Ungleichheit statt Einzelfälle
Die Studie zeigt, dass Benachteiligung weit über individuelle Diskriminierungserfahrungen hinausgeht. Informelle Netzwerke, männlich geprägte Vorstellungen von literarischer Qualität, intransparente Entscheidungsprozesse und ungleich verteilte Sorgearbeit beeinflussen die beruflichen Möglichkeiten von Autorinnen.
Ein eng verflochtenes Netzwerk aus Verlagen, Literaturkritik, Jurys, Universitäten und Förderinstitutionen entscheidet mit darüber, wer veröffentlicht, gefördert, ausgezeichnet und schließlich Teil des literarischen Kanons wird.
Besonders alarmierend sind die Auswirkungen sexueller Belästigung: Wenn Autorinnen aus Angst vor Übergriffen Themen vermeiden oder ihre literarische Tätigkeit infrage stellen, ist auch ihre künstlerische Freiheit betroffen.
Von der Forschung zu konkreten Veränderungen
Auf Grundlage der Ergebnisse hat FORBA einen umfassenden Maßnahmenkatalog erarbeitet. Dieser umfasst unter anderem faire Honorare, soziale Absicherung, transparente Förderentscheidungen, geschlechtergerechte Jurys, bessere Vereinbarkeit von Schreiben und Sorgearbeit sowie unabhängige Beratungs- und Beschwerdestrukturen.
Für ≠igfem ist die Studie ein wichtiger Ausgangspunkt für die weitere kulturpolitische Arbeit.
Es geht nicht nur darum, Autorinnen innerhalb bestehender Strukturen gerechter zu behandeln. Es geht auch darum, die historisch männlich geprägten Maßstäbe von literarischer Qualität, Bedeutung und Anerkennung grundsätzlich zu hinterfragen.
Die Ergebnisse wurden im Oktober 2026 beim internationalen Symposium und Literaturfestival STÖRFEUER in Wien vorgestellt.
Studien und Berichte zum Nachlesen
Die vollständigen Ergebnisse und Handlungsempfehlungen stehen als PDF zur Verfügung:
- FORBA – Executive Summary: Diskriminierung von Frauen im österreichischen Literaturbetrieb
- FORBA – Qualitativer Endbericht und Maßnahmenkatalog
- FORBA – Quantitativer Endbericht
- Präsentation FORBA – IGFEM EPESEP
Die Studie entstand im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts EPESEP – Equal Pay, Equal Show, Equal Pension.


















