Co-Writing: 27.01.2026

Renée Good

endlich hat die ökonomie
übernommen
die handlungs- und
deutungsmacht

nach religion und wissenschaft
endlich
der kaufmannslehrling ist ganz oben
endlich lässt er
seine träume wahr werden
seine kleinlichkeit
mit vielen frauen und noch mehr kindern
endlich ist sein klein sein
als zauberlehrling vorbei
die industrie gestürmt
die kleinen rechten
pfeifen auf die demokratie
hauptsache ihre kassen sind voll der rest
schert sich um sich selbst
lieber rechts als gleich
lieber erschossen die frau
als eine gerechte welt
die ökonomie ist gescheitert
auf ganzer linie

gerlinde hacker

 

Ich gedenke dem Holocaust
lese eine jüdische Autorin
sie ruft mir zu
SCHREIB! SCHREIB! SCHREIB!
schreiben heißt überleben
Zumindest ein Teil von dir der bleibt
So wie Renée Good
ihre Gedichte
So wie meine Großmutter

Und ich sitze in einem Zug nach Dachau
wie vor 3 Jahren schon
wie immer und immer wieder
doch ich sitze
gepolstert
warm
menschlich
manchmal spreaded ein Mann
ich sehe die Bewegung
ein kleines Zittern der Unsicherheit wenn meine Beine weiter aufgehen als seine

In mir schreit es
weint es
blutet es

Nie wieder…
…ist schon lang vorbei
zu spät
Menschen sind am Zug
doch welche?
die die anderen nicht sehen

Schon wieder!
und wieder und wieder
ein Land
ein Tyrann
ein Mann
ein Wort
und zig tausend sind fort

Und ich denk an die Tante
Marianne
und ihren Mann den Ernst
Und ich denk an den Mann der schrie in der U-Bahn
„Schau dass du dich entfernst.“
Und ich denk an den Mann
der mir öffentlich drohte
weil ich liebe wen ich will.
Ich leb in der Welt
es ist die verrohte
es ist mir manchmal zu viel

ich trage die Wahrheit tief in mir
von freien starken Frauen
viel freier und viel stärker noch
als wir es uns zutrauen
ich weiß, dass es die schon mal gab
ich singe ihre Lieder
auch wenns nicht im Geschichtsbuch steht
ich weiß
wir kommen wieder

Astrid Perz