21.05.2026: Co-Writing zum Thema Femizid
Gerlinde Hacker – Eva Surma – Astrid Perz
femizid – gerlinde hacker
wir richten
schon heute eine kerze
für die nächsten
morde
In Elster Schwarz Weiß. Eva Surma
Erklär mir Triebe!
Wenn ich um jeden Preis
nun doch nicht bei dir bliebe?
An deiner Statt die Liebe liebe?
Das Flattern, Fliegen und das Leben?
Denn unverloren und wider die Vernunft,
hat wieder die Vernunft mich hinters Licht geführt.
Ins Zittergras zu Elster, Pfau und Taube.
Was mir fehlt, ist der Glaube,
dass allerorts das Morden endet.
Das Morden und das Hassen.
Erklär mir Femizide.
Im Inneren und Innersten ein Kreis.
Ein altbekannter Kreidekreis als Grenze.
Es flattern, Federn, Schmuck und Schwänze.
Und tschecken laut was niemand checkt.
Zielkoordinaten und Bauhausträume aufgedeckt.
Fixiert, bevor wir denken.
Zum Steinerweichen,
die immer gleichen Schritte lenken.
Der Überlebenden gedenken,
als wären sie schon tot, kaum haben sie geboren.
In Elster Schwarz Weiß.
Erklär mir Diebstahl und Versteck,
Im Elsternest stecken wir fest.
Und alles, alles Böse, was man zu sagen weiß.
Schwarz. Schwarz die Zukunft
wieder und wieder dokumentiert und kommentiert.
Elsterschwarz auf Elsterweiß.
Überwältigt – Astrid Perz
Das Leben überwältigt mich
mit dem Tod
Feminizid und Suizid
ein best-case Szenario
Das neue Material wurde produziert
beide Eltern vom Vater beseitigt
Jetzt hat das System freien Zugriff
Das Material ist frisch
Man kann ihnen noch alles einreden
Traumatisiert sind sie noch leichter manipulierbar
Wir leben in einem System das Menschen frisst
Der Arbeiter als Wegwerfwahre
Die Arbeiterin ein Dorn im Auge
Die Arbeiter* innen, von denen spricht man nicht.
Gebären ist der Frauen Pflicht
Und wir, wir sagen NEIN
Und WER WIRD WOHL DIE NÄCHSTE SEIN?
Ich habe mich der Produktion der Sklaven entzogen.
Schenke keine Kinder an die von pädophilen Milliardären regierte Welt um sie
schinden zu lassen- jetzt oder später.
Wir versuchen auszubrechen.
Er übt weinen
Sie übt schreien
Einfach ist es nicht
Eher Fahren auf Sicht
im dichten Nebel
Auch nach Jahren
professionell begleitet
immer wieder scheitern wir
fallen in Rollen
Ohne es zu wollen
Fallen in die Fallen des Systems das uns lockt, tritt und manipuliert
Er arbeitet bis er verblutet
Sie sitzt in der Ecke ganz still
Das System das Menschen frisst verlangt von uns zu viel
Und Männer fressen Frauen*
Weil Treten leichter als Buckeln ist
drum bin ich Feminist
Will mich schreiend und weinend auf der Straße winden für jede ermordete Frau*
Zorn und Trauer
Über das Unvermögen der Männer
Verantwortung für sich selbst zu übernehmen
Sich dem System zu verweigern
Sage NEIN
Du bist mehr als Samenspender und Erzeugungsmaterial
Mehr als der lange Arm
Der gewaltvoll zuschlägt
Und die Machtstrukturen schützt
Du hast auch das Potenzial ganz Mensch zu sein
Mit Gefühlen, voll Freude und Freiheit
Leben mit alles
Wir sind keine Besitztümer
Sondern Menschen aus Fleisch und Blut
Mit Rechten und Pflichten
Und zwar alle
Ich will keine meiner Schwestern* mehr sterben sehen
Ich will keinen meiner Brüder* mehr schlagen müssen um zu überleben
Wo bringt uns das denn hin?
Bitte lernt buckeln
Denn wir werden gegeneinander ausgespielt
Und ja die weiter oben profitieren immer etwas mehr- aber stell dir vor wie schön es
sein könnte wir gewinnen alle
Eine freie Welt voll glücklicher Geschwister
Wo Konflikte sinnvoll lösbar sind
Es ist ein weiter Weg dahin
fahren auf Sicht
im dichten Nebel
Doch ein alter Scheinwerfer leuchtet den Weg
irgendwo hinten im Grünen
könnte das Ziel schon sein
irgendwo hinter den Bäumen ist es den Versuch einfach wert
Und die Verbindung ist tausendmal schöner
Als die Schlagzeilen und die Frau am Herd
Über die Autorinnen:
Gerlinde Hacker arbeitet als Autorin und Kulturarbeiterin an der Schnittstelle von feministischer Literaturpraxis, kollektiven Schreibprozessen und gesellschaftspolitischer Intervention. Als Gründerin der IGfem setzt sie sich seit vielen Jahren für Sichtbarkeit, Vernetzung und bessere Arbeitsbedingungen von Autorinnen ein. In ihrer Arbeit verbindet sie literarisches Schreiben mit feministischer Theorie, kollaborativen Formaten und kultureller Öffentlichkeit.
Eva Surma arbeitet als Autorin und Kulturarbeiterin mit einem Schwerpunkt auf feministischer Vernetzung, literarischer Öffentlichkeit und transnationalem Austausch. In ihren Projekten verbindet sie gesellschaftspolitische Fragestellungen mit kollektiven Arbeitsweisen und interessiert sich besonders für Formen gemeinschaftlichen Schreibens, kultureller Sichtbarkeit und feministischer Praxis.
Astrid Perz arbeitet als Schauspieler*in, Autor*in und Performancekünstler*in an der Schnittstelle von Literatur, Erinnerungskultur und performativer Recherche. In den entstehenden Arbeiten verbinden sich autobiografische, dokumentarische und fiktionale Elemente mit gesellschaftlichen Themen wie weiblicher Geschichte, transgenerationalem Trauma und Selbstbestimmung.

















