02.11.2026: ≠igfem im ORF-Kulturmontag – Wer kann es sich leisten, Schriftstellerin zu sein?
Marlene Streeruwitz und ≠igfem-Präsidentin Gerlinde Hacker im Interview über die Benachteiligung von Autorinnen, ungleiche Machtverhältnisse und die Ergebnisse der FORBA-Studie.
Am Montag, dem 2. November 2026, berichtet der ORF-Kulturmontag auf ORF 2 über die Situation von Schriftstellerinnen in Österreich. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, die ≠igfem im Rahmen des europäischen Projekts EPESEP – Equal Pay, Equal Show, Equal Pension beim Forschungsinstitut FORBA in Auftrag gegeben hat.
Für den Beitrag wurden die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und ≠igfem-Präsidentin Gerlinde Hacker interviewt.
Weniger Geld für Literatur – ungleiche Chancen für Autorinnen
Während die Bundesförderung für Literatur 2025 um 6,2 Prozent beziehungsweise rund 854.000 Euro zurückging, bestehen erhebliche geschlechtsspezifische Ungleichheiten bei Einkommen, Förderungen und Auszeichnungen fort.
Frauen sind im Kunst- und Kulturbereich zwar zahlenmäßig stark vertreten, profitieren aber nicht im gleichen Ausmaß von finanzieller Anerkennung und hoch dotierten Auszeichnungen. Gerade bei den prestigeträchtigsten Preisen zeigt sich eine jahrzehntelange Dominanz männlicher Preisträger.
Ein besonders deutliches Beispiel ist der Große Österreichische Staatspreis: Von 1950 bis 2025 wurden 105 Männer, aber nur 14 Frauen ausgezeichnet.
Auch der Gender Pay Gap im Kunst- und Kulturbereich ist besonders hoch: Laut dem Gender Report 2017–2021 betrug der Einkommensunterschied zwischen unselbstständig beschäftigten Frauen und Männern zuletzt 33,7 Prozent. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung lag er bei 17 Prozent und damit deutlich über dem damaligen gesamtwirtschaftlichen Vergleichswert.
Die FORBA-Studie zeigt alarmierende Ergebnisse
- 73 Prozent der befragten Autorinnen sind auf einen zusätzlichen Beruf angewiesen.
- Mehr als die Hälfte berichtet von sexueller Belästigung.
- Rund 60 Prozent haben bereits daran gedacht, ihre schriftstellerische Tätigkeit aufzugeben.
Diese Ergebnisse werfen grundlegende Fragen auf: Wer kann unter diesen Bedingungen überhaupt dauerhaft als Schriftstellerin arbeiten? Welche Abhängigkeiten entstehen durch prekäre Einkommen? Und welche Stimmen gehen dem Literaturbetrieb verloren?
Wer entscheidet darüber, was bedeutende Literatur ist?
Es geht nicht allein um Geld. Es geht um Macht, Sichtbarkeit und die Frage, wer die Maßstäbe literarischer Qualität bestimmt.
Verlage, Literaturkritik, Jurys, Universitäten und Förderinstitutionen prägen den literarischen Kanon. Historisch gewachsene männliche Netzwerke und Wertvorstellungen wirken bis heute nach.
Die ≠igfem fordert daher nicht nur faire Honorare, transparente Förderentscheidungen und eine gerechte Verteilung von Preisen, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Strukturen des Literaturbetriebs.
Forschung muss Konsequenzen haben
Die FORBA-Studie dokumentiert nicht nur Missstände, sondern enthält einen konkreten Maßnahmenkatalog. Die ≠igfem fordert politische und institutionelle Veränderungen, damit Autorinnen unter gleichberechtigten Bedingungen schreiben, veröffentlichen und von ihrer Arbeit leben können.
Denn die Frage, wer Literatur schreiben kann, entscheidet auch darüber, welche Geschichten unsere Gesellschaft erzählt – und welche ungeschrieben bleiben.
ORF-Kulturmontag, Montag, 2. November 2026, ORF 2
Mit Interviews mit Marlene Streeruwitz und Gerlinde Hacker.
Hier gibt es mehr Information und die Berichte zum Download:
FORBA-Studie: Diskriminierung von Frauen im österreichischen Literaturbetrieb


















