mit großem Befremden haben wir die Mitteilung erhalten, dass die Förderung der ≠igfem – Interessensgemeinschaft Feministische Autorinnen – um 25 % gekürzt werden soll.
Diese Entscheidung trifft ausgerechnet jene Organisation, die sich seit Jahren kontinuierlich und auf allen Ebenen für die strukturelle Gleichstellung von Autorinnen und Künstlerinnen einsetzt – und dies mit einem ohnehin sehr kleinen Budget.
Aktuelle Berichte, auch aus dem Bereich des BMKÖS, zeigen deutlich: Künstlerinnen verdienen spartenübergreifend nach wie vor am wenigsten, der Gender Pay Gap im Kunst- und Kulturbereich zählt zu den höchsten. Frauen sind hervorragend qualifiziert, vielfach präsent, aber in Leitungsfunktionen unterrepräsentiert, schlechter bezahlt und strukturell benachteiligt. Diese Realität ist bekannt, dokumentiert und kulturpolitisch vielfach benannt worden.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet eine Initiative gekürzt wird, die diese Schieflagen sichtbar macht, internationale Projekte nach Wien bringt, Nachwuchsautorinnen vernetzt, Forschung initiiert und Vermittlungsarbeit leistet, die sonst niemand in dieser Form übernimmt.
Die Kürzung stellt daher nicht nur eine budgetäre Maßnahme dar, sondern sendet ein kulturpolitisch widersprüchliches Signal: Während Gleichstellung öffentlich eingefordert wird, wird jene Infrastruktur geschwächt, die konkret daran arbeitet.
Wir ersuchen nicht um eine symbolische Geste, sondern um eine neuerliche inhaltliche Bewertung dieser Entscheidung im Hinblick auf die tatsächliche Wirkung unserer Arbeit für die Wiener Literaturszene und darüber hinaus.
Unser Ziel bleibt es, diese Arbeit fortzusetzen – im Interesse einer vielfältigen, zeitgemäßen und fairen Kulturlandschaft.
Mit besten Grüßen
Gerlinde Hacker
Dorothea Pointner
IG feministische Autorinnen
≠igfem
06.03.2026
//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.png00Ingrid Draxl//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.pngIngrid Draxl2026-03-07 10:08:272026-03-08 08:47:16Offener Brief an den Wiener Bürgermeister, Dr. Michael Ludwig
Jüngst wurde in der Presse darüber berichtet, dass Sie in Ihrem sogenannten “Österreichplan”, den Sie an diesem Freitag in Wels präsentieren, unter anderem das Thema “Gendern” ansprechen und in weiterer Folge nach bayerischem Vorbild in der Verwaltung und an Universitäten das Gendern mit allen anderen Schreibweisen außer der ausgeschriebenen männlichen und weiblichen Form untersagen wollen. Diese “Grundsatzrede” markiert wohl den Beginn des Nationalratswahlkampfes.
Grundsätzlich gibt es gute Argumente für das Gendern in verschiedenen Schreibweisen. Zum Beispiel die Sichtbarmachung von Frauen in der Gesellschaft, aber auch die von rechts außen gerne als unterdrückt dargestellte Meinungsfreiheit und die angeblich dagegen agierende sogenannte “Sprachpolizei”. Außerdem werden in der binären Ausdrucksweise Personen außerhalb des binären Genderspektrums ausgeschlossen. Die oft angeführte Sperrigkeit in der Aussprache des Binnen-Is, des Sternchens oder des Doppelpunktes durch den sogenannten “Glottisschlag” unterscheidet sich nicht vom Aufwand bei der Aussprache des Wortes “The-ater”. Die Sperrigkeit der zweigeschlechtlichen, ausgeschriebenen Version verlängert jedoch sehr wohl jeden Text.
Nun hat aber das Theater um die Wahlen erneut begonnen und es wird notwendig, mit reißerischen und polarisierenden Themen auf Stimmenfang zu gehen. Wie bereits Beate Hausbichler in ihrer Kolumne im Standard vom 13. März 2023 schrieb, reden vor allem diejenigen gerne über die gendergerechte Sprache, die diese überflüssig finden – und um zu betonen, dass über nichts anderes geredet wird.
Also reden wir: Da wäre zunächst der Gender Pay Gap mit 35,5%, der unter anderem daraus resultierende Gender Pension Gap (Equal Pension Day 2023 war am 4. August) und der überwältigende Anteil an der unbezahlten Care-Arbeit. Im Kunst- und Kulturbereich sind die Zahlen noch dramatischer als im ohnehin schwindelerregenden Gesamtdurchschnitt: Hier liegen die Frauen im Schnitt 48,4% hinter den Männern zurück, außerdem wird auch in der Kulturszene ein überwiegender Teil unbezahlter Arbeit von Frauen übernommen.
Dazu kommen die Grausamkeiten, die Frauen in einer misogynen Gesellschaft sonst noch so zu ertragen haben, und zwar auf dem ganzen Spektrum: Alltagsdiskriminierungen, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, psychische und physische Gewalt an Frauen in der Öffentlichkeit ebenso wie im privaten Umfeld und die Femizide, deren Zahlen sich in den letzten Jahren auf einem Rekordniveau gehalten haben (2023 gab es 27 mutmaßliche Femizide in Österreich).
Um all diese grundlegenden Missstände zu beheben, sind eine zukunftsweisende und nachhaltige Politik der Gleichberechtigung und Gleichstellung sowie grundlegende und weitreichende Maßnahmen in Gewaltschutz und Diskriminierungsprävention unerlässlich.
Ob diese in Ihrem “Österreichplan” vorkommen, sei zu diesem Zeitpunkt noch dahingestellt. Nehmen wir Sie, basierend auf Ihren Äußerungen auf X (vormals Twitter) zum letzten Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November beim Wort, kämpft die Bundesregierung “gegen jede Form der Gewalt an Frauen”. Laut Ihrem X (Twitter-)Account liegen Ihnen jedoch unter anderem auch die Lehrer/innen (10.12.16, 31.8.17), Kleinspender/innen und Steuerzahler/innen (28.8.17), Soldat/innen (25.1.17), ältere Arbeitnehmer/innen (5.1.18), Patient/innen (15.7.18) und natürlich vor allem die Wähler/innen (27.9.17) am Herzen. Sie wünschten den Kandidat/innen (26.6.22) bei der Wahl des “österreichischen Staatsoberhauptes” alles Gute und feierten das Jubiläum des Bundeskanzleramtes [sic!] mit mehreren ehemaligen Regierungschef/innen (6.12.23).
Wir von der ≠igfem – Interessensgemeinschaft Feministischer Autorinnen wünschen uns jedenfalls eine:n Bundeskanzler:in und eine Bundesregierung, die die wahren Probleme anpackt und nicht mit Ablenkungsmanövern auf Stimmenfang geht.
Vielen Dank für Ihre Zusendung vom 20. November des letzten Jahres. Sie betonen, dass Bildung eine Herzensangelegenheit der Sozialdemokratie ist. Das freut uns, denn Bildung ist auch eine Herzensangelegenheit der ≠igfem – Interessensgemeinschaft feministische Autorinnen, insbesondere die Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit aller Menschen unabhängig von Geschlecht. Daher möchten wir Ihnen unser Projekt vorstellen, das genau jene Ziele und Visionen in den Blick nimmt: die Erarbeitung einer feministischen Leseliste.
Derzeitige Lektüreempfehlungslisten für den Schulunterricht an österreichischen Schulen bestehen zu 88% bis 100% aus Werken männlicher Autoren. Feministische Narrative und eine differenzierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen weiblichen Lebensentwürfen und Identitäten über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart kommen darin so gut wie nicht vor. Tatsächlich ist es für Schüler*innen hierzulande ohne Weiteres möglich, zu maturieren, ohne im Unterricht je ein von einer Frau verfasstes Werk gelesen zu haben.
Dabei ist die Schule einer der wichtigsten Orte der Sozialisation – auch im Sinne einer gesamt-gesellschaftlichen Sozialisation durch Lesen. Geschichten erzählen vor allem jungen Lesenden, was sie sein und werden können in dieser Welt. Ihr Einfluss ist kaum zu überschätzen.
Aus diesem Grund ist es höchste Zeit, die Kanonisierung und Literaturgeschichtsschreibung für den Schulunterricht neu zu diskutieren und Werke in die Lektüreempfehlungen aufzunehmen, welche moderne, sinnvolle Rollenbilder für Mädchen und Frauen anbieten und historische Unterdrückungsmechanismen aufzeigen. Auch für die Buben und heranwachsenden Männer ist eine Aufarbeitung dieser förderlich, da auch sie in veralteten, patriarchalen und ungerechten Strukturen aufwachsen und ihr Einsatz für eine gerechtere Welt ebenso essentiell ist, wie Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein von Mädchen.
Aus diesen Überlegungen heraus erarbeiten wir von der ≠igfem – Interessensgemeinschaft feministischer Autorinnen gemeinsam mit einem Expertinnengremium eine Leseliste an Werken von Autorinnen, die an die Bildungsdirektionen der einzelnen Bundesländer und die Schulen selbst übermittelt werden soll.
Mit dabei sind bereits namhafte Expertinnen aus Literatur und Bildung wie Daniela Strigl, Susanne Hochreiter, Heidi Lexe, die Buchhandlung ChickLit, Katja Gasser, Evelyne Polt-Heinzl, die Büchereien Wien, Kirstin Breitenfellner, Christa Gürtler uvm. Nicht zuletzt streben wir eine Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung an, zu dessen Grundsätzen auch Gleichstellung und Diversität zählen, welche allerdings im Literaturkanon der verschiedenen Schulen bis zur Oberstufe nicht real umgesetzt werden.
Sie haben es in Ihrem Brief bereits geschrieben: Bildungsgerechtigkeit für alle Menschen ist eines Ihrer höchsten Ziele. Das teilen wir und möchte Sie deshalb bitten, uns bei diesem Projekt durch Förderung oder bei der Verbreitung der Leselisten an Schulen zu unterstützen.
Offener Brief an den Wiener Bürgermeister, Dr. Michael Ludwig
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ludwig,
mit großem Befremden haben wir die Mitteilung erhalten, dass die Förderung der ≠igfem – Interessensgemeinschaft Feministische Autorinnen – um 25 % gekürzt werden soll.
Diese Entscheidung trifft ausgerechnet jene Organisation, die sich seit Jahren kontinuierlich und auf allen Ebenen für die strukturelle Gleichstellung von Autorinnen und Künstlerinnen einsetzt – und dies mit einem ohnehin sehr kleinen Budget.
Aktuelle Berichte, auch aus dem Bereich des BMKÖS, zeigen deutlich: Künstlerinnen verdienen spartenübergreifend nach wie vor am wenigsten, der Gender Pay Gap im Kunst- und Kulturbereich zählt zu den höchsten. Frauen sind hervorragend qualifiziert, vielfach präsent, aber in Leitungsfunktionen unterrepräsentiert, schlechter bezahlt und strukturell benachteiligt. Diese Realität ist bekannt, dokumentiert und kulturpolitisch vielfach benannt worden.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet eine Initiative gekürzt wird, die diese Schieflagen sichtbar macht, internationale Projekte nach Wien bringt, Nachwuchsautorinnen vernetzt, Forschung initiiert und Vermittlungsarbeit leistet, die sonst niemand in dieser Form übernimmt.
Die Kürzung stellt daher nicht nur eine budgetäre Maßnahme dar, sondern sendet ein kulturpolitisch widersprüchliches Signal: Während Gleichstellung öffentlich eingefordert wird, wird jene Infrastruktur geschwächt, die konkret daran arbeitet.
Wir ersuchen nicht um eine symbolische Geste, sondern um eine neuerliche inhaltliche Bewertung dieser Entscheidung im Hinblick auf die tatsächliche Wirkung unserer Arbeit für die Wiener Literaturszene und darüber hinaus.
Unser Ziel bleibt es, diese Arbeit fortzusetzen – im Interesse einer vielfältigen, zeitgemäßen und fairen Kulturlandschaft.
Mit besten Grüßen
Gerlinde Hacker
Dorothea Pointner
IG feministische Autorinnen
≠igfem
06.03.2026
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Nehammer
Jüngst wurde in der Presse darüber berichtet, dass Sie in Ihrem sogenannten “Österreichplan”, den Sie an diesem Freitag in Wels präsentieren, unter anderem das Thema “Gendern” ansprechen und in weiterer Folge nach bayerischem Vorbild in der Verwaltung und an Universitäten das Gendern mit allen anderen Schreibweisen außer der ausgeschriebenen männlichen und weiblichen Form untersagen wollen. Diese “Grundsatzrede” markiert wohl den Beginn des Nationalratswahlkampfes.
Grundsätzlich gibt es gute Argumente für das Gendern in verschiedenen Schreibweisen. Zum Beispiel die Sichtbarmachung von Frauen in der Gesellschaft, aber auch die von rechts außen gerne als unterdrückt dargestellte Meinungsfreiheit und die angeblich dagegen agierende sogenannte “Sprachpolizei”. Außerdem werden in der binären Ausdrucksweise Personen außerhalb des binären Genderspektrums ausgeschlossen. Die oft angeführte Sperrigkeit in der Aussprache des Binnen-Is, des Sternchens oder des Doppelpunktes durch den sogenannten “Glottisschlag” unterscheidet sich nicht vom Aufwand bei der Aussprache des Wortes “The-ater”. Die Sperrigkeit der zweigeschlechtlichen, ausgeschriebenen Version verlängert jedoch sehr wohl jeden Text.
Nun hat aber das Theater um die Wahlen erneut begonnen und es wird notwendig, mit reißerischen und polarisierenden Themen auf Stimmenfang zu gehen. Wie bereits Beate Hausbichler in ihrer Kolumne im Standard vom 13. März 2023 schrieb, reden vor allem diejenigen gerne über die gendergerechte Sprache, die diese überflüssig finden – und um zu betonen, dass über nichts anderes geredet wird.
Also reden wir: Da wäre zunächst der Gender Pay Gap mit 35,5%, der unter anderem daraus resultierende Gender Pension Gap (Equal Pension Day 2023 war am 4. August) und der überwältigende Anteil an der unbezahlten Care-Arbeit. Im Kunst- und Kulturbereich sind die Zahlen noch dramatischer als im ohnehin schwindelerregenden Gesamtdurchschnitt: Hier liegen die Frauen im Schnitt 48,4% hinter den Männern zurück, außerdem wird auch in der Kulturszene ein überwiegender Teil unbezahlter Arbeit von Frauen übernommen.
Dazu kommen die Grausamkeiten, die Frauen in einer misogynen Gesellschaft sonst noch so zu ertragen haben, und zwar auf dem ganzen Spektrum: Alltagsdiskriminierungen, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, psychische und physische Gewalt an Frauen in der Öffentlichkeit ebenso wie im privaten Umfeld und die Femizide, deren Zahlen sich in den letzten Jahren auf einem Rekordniveau gehalten haben (2023 gab es 27 mutmaßliche Femizide in Österreich).
Um all diese grundlegenden Missstände zu beheben, sind eine zukunftsweisende und nachhaltige Politik der Gleichberechtigung und Gleichstellung sowie grundlegende und weitreichende Maßnahmen in Gewaltschutz und Diskriminierungsprävention unerlässlich.
Ob diese in Ihrem “Österreichplan” vorkommen, sei zu diesem Zeitpunkt noch dahingestellt. Nehmen wir Sie, basierend auf Ihren Äußerungen auf X (vormals Twitter) zum letzten Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November beim Wort, kämpft die Bundesregierung “gegen jede Form der Gewalt an Frauen”. Laut Ihrem X (Twitter-)Account liegen Ihnen jedoch unter anderem auch die Lehrer/innen (10.12.16, 31.8.17), Kleinspender/innen und Steuerzahler/innen (28.8.17), Soldat/innen (25.1.17), ältere Arbeitnehmer/innen (5.1.18), Patient/innen (15.7.18) und natürlich vor allem die Wähler/innen (27.9.17) am Herzen. Sie wünschten den Kandidat/innen (26.6.22) bei der Wahl des “österreichischen Staatsoberhauptes” alles Gute und feierten das Jubiläum des Bundeskanzleramtes [sic!] mit mehreren ehemaligen Regierungschef/innen (6.12.23).
Wir von der ≠igfem – Interessensgemeinschaft Feministischer Autorinnen wünschen uns jedenfalls eine:n Bundeskanzler:in und eine Bundesregierung, die die wahren Probleme anpackt und nicht mit Ablenkungsmanövern auf Stimmenfang geht.
Mit freundlichen Grüßen
Gerlinde Hacker
Präsidentin
≠igfem – Interessensgemeinschaft feministische Autorinnen
Sehr geehrter Herr Bürgermeister
Vielen Dank für Ihre Zusendung vom 20. November des letzten Jahres. Sie betonen, dass Bildung eine Herzensangelegenheit der Sozialdemokratie ist. Das freut uns, denn Bildung ist auch eine Herzensangelegenheit der ≠igfem – Interessensgemeinschaft feministische Autorinnen, insbesondere die Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit aller Menschen unabhängig von Geschlecht. Daher möchten wir Ihnen unser Projekt vorstellen, das genau jene Ziele und Visionen in den Blick nimmt: die Erarbeitung einer feministischen Leseliste.
Derzeitige Lektüreempfehlungslisten für den Schulunterricht an österreichischen Schulen bestehen zu 88% bis 100% aus Werken männlicher Autoren. Feministische Narrative und eine differenzierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen weiblichen Lebensentwürfen und Identitäten über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart kommen darin so gut wie nicht vor. Tatsächlich ist es für Schüler*innen hierzulande ohne Weiteres möglich, zu maturieren, ohne im Unterricht je ein von einer Frau verfasstes Werk gelesen zu haben.
Dabei ist die Schule einer der wichtigsten Orte der Sozialisation – auch im Sinne einer gesamt-gesellschaftlichen Sozialisation durch Lesen. Geschichten erzählen vor allem jungen Lesenden, was sie sein und werden können in dieser Welt. Ihr Einfluss ist kaum zu überschätzen.
Aus diesem Grund ist es höchste Zeit, die Kanonisierung und Literaturgeschichtsschreibung für den Schulunterricht neu zu diskutieren und Werke in die Lektüreempfehlungen aufzunehmen, welche moderne, sinnvolle Rollenbilder für Mädchen und Frauen anbieten und historische Unterdrückungsmechanismen aufzeigen. Auch für die Buben und heranwachsenden Männer ist eine Aufarbeitung dieser förderlich, da auch sie in veralteten, patriarchalen und ungerechten Strukturen aufwachsen und ihr Einsatz für eine gerechtere Welt ebenso essentiell ist, wie Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein von Mädchen.
Aus diesen Überlegungen heraus erarbeiten wir von der ≠igfem – Interessensgemeinschaft feministischer Autorinnen gemeinsam mit einem Expertinnengremium eine Leseliste an Werken von Autorinnen, die an die Bildungsdirektionen der einzelnen Bundesländer und die Schulen selbst übermittelt werden soll.
Mit dabei sind bereits namhafte Expertinnen aus Literatur und Bildung wie Daniela Strigl, Susanne Hochreiter, Heidi Lexe, die Buchhandlung ChickLit, Katja Gasser, Evelyne Polt-Heinzl, die Büchereien Wien, Kirstin Breitenfellner, Christa Gürtler uvm. Nicht zuletzt streben wir eine Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung an, zu dessen Grundsätzen auch Gleichstellung und Diversität zählen, welche allerdings im Literaturkanon der verschiedenen Schulen bis zur Oberstufe nicht real umgesetzt werden.
Sie haben es in Ihrem Brief bereits geschrieben: Bildungsgerechtigkeit für alle Menschen ist eines Ihrer höchsten Ziele. Das teilen wir und möchte Sie deshalb bitten, uns bei diesem Projekt durch Förderung oder bei der Verbreitung der Leselisten an Schulen zu unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen
Gerlinde Hacker
≠igfem