Die ≠igfem kämpft seit mehr als vier Jahren professionell für finanzielle und repräsentative Geschlechtergerechtigkeit im Literaturbetrieb. Wir bieten bereits jetzt, mit wenigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, ein umfangreiches Programm. Unsere vielfältigen Veranstaltungen und Initiativen umfassen Schreibgruppen mit 120 Terminen im Jahr, eine Theoriegruppe zur feministischen Sprach- und Literaturwissenschaft, Lesekreise zu feministischen Büchern, unterschiedlichste Vernetzungs- und Kooperationsgruppen, zwei EU-Projekte (das jüngste beinhaltet unter anderem Fördermittel für eine unabhängige Studie zu Arbeitsbedingungen und der generellen Lage von Autorinnen), Lesungen feministischer Autorinnen, diverse Workshops, Ausschreibungen, mehrere Publikationen, eine aktualisierte feministische Leseliste für SchülerInnen, ein Projekt zur Erforschung neuer digitaler Techniken und Entwicklungen und ihre Nutzung für und Auswirkungen auf den Literaturbetrieb, das MeToo-Monitoring zur Dokumentation von sexistischen Erfahrungen und Übergriffen im Literaturbetrieb, aktive Pressearbeit für gesellschaftliche Wahrnehmung zur Ungleichberechtigung sowie Schulungen und Austauschmöglichkeiten für Expertinnen im Literaturbetrieb. All diese Maßnahmen und Projekte zielen darauf ab, mehr Gleichberechtigung im Literaturbetrieb zu erzielen. Doch um noch mehr bewirken zu können – und vor allem die laufend geleistete Arbeit endlich fair zu entlohnen – benötigen wir dringend zusätzliche finanzielle Ressourcen. Trotz des generellen Problems fehlender Daten zur Benachteiligung von Frauen im Literaturbetrieb, konnten wir aus dem Rechnungshofbericht von 2020 eine erschreckende Erkenntnis ziehen: Der unbereinigte Gender Wage Gap im Bereich “Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten” liegt mit 49,6% sogar noch deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 36,4%. Diese Zahlen zeigen einmal mehr die dringende Notwendigkeit für monetäre und inhaltliche Förderung von Frauen, insbesondere in der Literatur. Eine feministische Schwerpunktsetzung in der Budgetverteilung ist essentiell, um die Benachteiligungen auszuhebeln und für Gleichberechtigung zu sorgen. Der in naher Zukunft anstehende Gender Report des BMKÖS ist nur ein weiteres Beispiel des schwerfälligen Versuchs, der Lage Herr (vielmehr Frau) zu werden. Obwohl wir wertschätzen, dass wir auf Einladung des Bundesministeriums mit unserer Expertise in die Entwicklung der Fragebögen durch OGM research & communication GmbH eingebunden wurden und Feedback zum Testfragebogen geben durften, der die Grundlage der “große[n] Befragung der Kunst- und Kulturinstitutionen in ganz Österreich” werden soll, mussten wir feststellen, dass die Fragestellungen an den Herausforderungen und Hindernissen vorbeigingen, mit denen Frauen in der Kunst- und Literaturszene konfrontiert sind. Mit den gestellten Fragen können die Lebensrealitäten der Künstlerinnen und Autorinnen nicht abgebildet werden, es werden schlicht die falschen Fragen gestellt, um neue Antworten zu erhalten: Auf unbezahlte und unterbezahlte Arbeit von Frauen im Kulturbereich wurde überhaupt nicht eingegangen. Strukturen im Kunst- und Kulturbetrieb, die Arbeitszeiten außerhalb der klassischen Bürozeiten vorgeben, erfordern selbstverständlich auch andere Betreuungsmöglichkeiten. Themen wie Diskriminierungsprävention und speziell auf Frauen zugeschnittene Bildungsangebote wurden nicht angeschnitten. Es braucht für repräsentative Ergebnisse zu diesen Themen schlicht einen neuen Zugang zu den Fragestellungen. Unser Feedback wurde leider nur zur Kenntnis genommen und unseres Wissens nicht in den Fragebogen einbezogen. Wir dürfen in Anbetracht Ihrer Position davon ausgehen, dass Sie sich der nach wie vor herrschenden Ungleichheit bewusst und an einer Gleichberechtigung zwischen Künstlerinnen und Künstlern interessiert sind. Dem gewaltigen strukturellen Gefälle zwischen un- oder unterbezahlt arbeitenden, selbstorganisierten Künstlerinnenverbänden, wie unserem, und den zahlreichen und üppig geförderten Institutionen unter (überwiegend) männlicher Leitung, können Sie, sehr geehrte Frau Staatssekretärin, entgegenwirken. Es ist an der Zeit, dass Autorinnen die gebührende Beachtung und Wertschätzung erfahren, die für ihre männlichen Kollegen selbstverständlich sind. Warum werden Künstlerinnen und Autorinnen nicht entsprechend gefördert? Wieso erhält die IG feministische Autorinnen im Vergleich zu alteingesessenen männlich geleiteten Institutionen um so viel weniger Förderungen? Weshalb erhalten Autorinnen und Künstlerinnen in Österreich nicht mehr Geltung und Würdigung? In inzwischen veralteten (2008 und 2012) Studien war die Benachteiligung von Literatinnen und Künstlerinnen bereits abzusehen. Bis heute wurde noch viel zu wenig getan, um strukturelle Förderungen von Literatinnen und Künstlerinnen zu finanzieren. Umso bitterer, dass nicht einmal die IG feministische Autorinnen ausreichend finanziell unterstützt wird! Um die inhaltliche Unterstützung voranzutreiben, mangelt es an dedizierten Räumen für Autorinnen und Schriftstellerinnen, die speziell für Vernetzung, Austausch, Diskussion und kreative Arbeit genutzt werden können. Zu diesem Zweck regen wir die Errichtung eines feministischen Literaturmuseums an, in dem die unzähligen fantastischen österreichischen (Bachmann! Jelinek! uvm.) und internationalen Autorinnen mit Ausstellungen und Veranstaltungen aus feministischem Blickwinkel gewürdigt werden (anders als herkömmliche Ausstellungen, in denen die männliche Perspektive der Ausstellungsmacher klar zutage tritt). In diesem Museum könnte auch die IG feministische Autorinnen mit einem Büro verankert sein und mit ausreichender Förderung ein noch umfangreicheres Programm sowie diverse Forschungsprojekte umsetzen. Darüber hinaus mangelt es an dezidierten Auftrittsmöglichkeiten, auch diese könnten in einem solchen Zentrum der feministischen Literatur mit einem Veranstaltungssaal mit Bühne geboten werden. Über diese Institution könnte dann auch eine umfassende Förderung von Rezensionen und Rezeption der Werke feministischer Autorinnen abgewickelt werden, um die Sichtbarkeit der ja in großer Vielfalt vorhandenen Literaturproduktion von Frauen zu erhöhen. Ein solches Zentrum könnte Österreich an die Spitze feministischer Literaturinitiativen stellen. Wir haben in Österreich unter Ihrer Leitung die einmalige Chance im Bereich der feministischen Literaturförderung eine Pionierinnenrolle einzunehmen und uns international im Kampf um Gleichstellung zu positionieren. Wir appellieren an Ihr Engagement für Gleichberechtigung und eine zukunftsweisende und nachhaltige Kulturpolitik: Lassen Sie diese Gelegenheit nicht verstreichen! Erkennen Sie die vorhandenen Ungerechtigkeiten an und wirken Sie ihnen entschieden entgegen. Wir alle werden mit einer vielfältigeren und reichhaltigeren Literaturszene belohnt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Gerlinde Hacker, Dorothea Pointner
//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.png00Paul//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.pngPaul2023-08-24 14:09:152024-01-29 14:10:10Sehr geehrte Frau Mag.a Staatssekretärin Mayer
Brief an die Frauenministerin: Nie wieder Femizide! Mehr Frauenrechte!
Die Frauenministerin hat verlautbaren lassen, es gebe “keine Maßnahme” zur Verhinderung von Femiziden. Das ist unrichtig! Feminismus hilft! Gleichberechtigung von Frauen ist eine unabdingbare Voraussetzung, um Gewalt zu verhindern.
Im Jahr 2021 wurden in Österreich 30 Frauen ermordet. Damit ist Österreich das einzige EU-Land, in dem mehr Frauen als Männer Gewaltverbrechen zum Opfer fallen.
Täter bei Frauenmorden sind vorwiegend Männer, fast immer gibt es ein Naheverhältnis zwischen Opfer und Täter, fast immer wird Gewalt gegen Frauen im familiären Umfeld verübt und das wissen wir seit Jahrzehnten. Es ist Zeit, etwas zu tun, Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer.
Schöne Worte helfen nicht: Geld, Macht, Gewicht und Ressourcen für Gewaltschutzeinrichtungen und deren Opfer.
Die IG feministische Autorinnen fordert eine feministische Agenda in Literatur, Politik und Öffentlichkeit. Es braucht (unter anderem) ein feministisches Narrativ, eine Akzeptanz und Wertschätzung der Lebensrealitäten und Perspektiven von Frauen. Es braucht Chancengleichheit und Gerechtigkeit für Frauen.
Nie wieder Femizide!
Stärken von Frauen- und Mütterrechten! und nicht Ausweitung von Männer/Vaterrechten!
Protest hilft, schreiben Sie an: MMag.a Dr.in Susanne Raab; kurz: Frauenministerin, Bundesministerin für Frauen, Familie, Jugend und Integration im Bundeskanzleramt: susanne.raab@bka.gv.at
Bundesminister für Inneres Karl Nehammer, MSc: ministerbuero@bmi.gv.at
Bundesministerin für Justiz Dr.in Alma Zadić: minister.justiz@bmj.gv.at
//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.png00Paul//igfem.at/wp-content/uploads/2023/09/logo-igfem-final-schwarz.pngPaul2022-11-24 11:42:082024-01-30 11:46:30Nie wieder Femizide
Sehr geehrte Frau Bundesministerin MMag.a Dr.in Susanne Raab, Österreichs unrühmliche Vorreiterstellung in der europaweiten Statistik der Femizide bedeutet eine äußerste Zuspitzung patriarchaler Gewalt in unserem Land. Wir sind ein feministischer Literaturverein mit dem Ziel, Frauen zu stärken und wundern uns wie viele andere Frauen unterstützende Organisationen/Medien über Förderabsagen seitens des Bundesministeriums für Frauen, Familien, Integration und Medien. Ihre Entscheidung, die budgetäre Schwerpunktsetzung im Bereich Frauenprojektförderung auf die „Aufrechterhaltung des Gewaltschutzes“, sowie ein „ganzheitliches und kostenloses Beratungs- und Begleitangebot für Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenssituationen“ zu legen, deckt zwar eine wichtige Aufgabe ab. Wir vermissen jedoch Ihr strukturelles Verständnis von Gewalt und was Gewaltschutz in einer patriarchal geprägten Gesellschaft wie der unseren bedeutet. Dem für Frauen und gesamtgesellschaftlich unerträglichen Zustand muss mit Grundlegendem begegnet werden. Es ist Zeit, in der Frauenpolitik etwas zu ändern. Dieses gesamtgesellschaftliche Problem muss grundlegend gedacht werden. Das Patriarchat ist zwar von vorgestern, aber es hat schon Jahrtausende seine Wirkung getan. Es ist zu spät erst dort anzusetzen, wo vulnerablen Personen, worunter Frauen leider fallen bereits Gewalt angetan wurde. Effektiver Gewaltschutz erfordert Prävention und Prävention bedeutet: den Bedingungen von Gewalt auf den Grund zu gehen – der Ungleichverteilung von Macht – und daraus zu handeln. Nur mit dieser feministischen Haltung können in unseren Augen diese Strukturen überwunden werden. Es geht uns darum, dass Sie verstehen, Frau Ministerin: Das Vorhandene ist nicht neutral, vielmehr werden medial permanent unrealistische Frauenbilder und frauenfeindliche Inhalte (re)produziert. Wenn Sie diese Gewalt hervorbringenden Strukturen durch Untätig-Bleiben stützen, ist das reine Bereitstellen von Beratungsangeboten für die Opfer dieser Gewalt nahezu zynisch und bei weitem nicht ausreichend. Jede Untätigkeit ist ein Befürworten dieses für Frauen oft todbringenden Zustandes. Die psycho-physische Gewalt, welche Frauen in Österreich erfahren, beginnt wo Personen keine Stimme „haben“. Die Frage, wer darf sprechen, wessen Geschichte wird erzählt und wer wird dadurch überhaupt „wahr“genommen und wie, ist eine Machtfrage. Sprache ist also ein machtvolles Instrument. „Weibliche” Perspektiven, wie immer sie auch aussehen, werden permanent medial unsicht- und unhörbar gemacht. Dieses Verdrängt-Werden aus dem Bewusstsein Aller (auch aus dem eigenen) ist (strukturelle) Gewalt und bedeutet höchste Gefahr für Frauen. Zum Beispiel, wenn Femizide – wie so häufig in Medien – als „Beziehungsdramen“ bezeichnet werden. Das normalisiert männliche Gewalt, schont die Täter und verhindert Empathie mit Frauen. Mit der Konsequenz, dass die Verantwortung für Gewalt noch immer eher bei den Opfern statt den Tätern gesucht wird. Viel zu häufig mit tödlichen Folgen. Aber: Die Bedingungen für Empathie können (auch) hergestellt werden, weibliche Perspektiven können sicht- und hörbar gemacht werden – mit feministischen Narrativen. In Form von Literatur zum Beispiel. Eine Geschichte erzählt mir, was ich sein und werden kann in der Welt. Literatur hat die einzigartige Fähigkeit verdrängte Geschichten zu erzählen, neue Vorstellungen von (Frauen)leben zu erschaffen und die Nähe zu erzeugen, die Emphathie erfordert. Es gilt über unsere eigene Perspektive hinausblicken und zu versuchen zu verstehen, was jemand anderes erlebt, fühlt und denkt. Zu häufig wird einer Literatur der Vorrang gegeben, die immer die gleiche (patriarchale) Geschichte erzählt. Zu häufig wird die Sprache – gesellschaftlich geprägt – unreflektiert übernommen. Eine solche Literatur kann nicht über das Vorhandene hinausweisen. Es gilt den Blick zu weiten auf etwas, was noch nicht ist, jedoch sein könnte. Zum Beispiel eine Gesellschaft, in der eine Frau nicht um ihr Leben oder ihre körperliche Unversehrtheit bangen muss, wenn sie sich von ihrem Partner trennt, weil dieser Eifersucht und Besitzanspruch mit vermeintlicher Liebe legitimiert. Eine Gesellschaft, in der Frauen andere Lebensentwürfe umsetzen können und glücklich sind, statt marginalisiert zu werden. Eine Gesellschaft, die sich nicht ausschließlich an der patriarchalen Norm ausrichtet. Was wir hierfür brauchen, sind feministische Narrative in allen Lebensbereichen, und genau an dieser Stelle kommt feministischer Literatur eine tragende Rolle zu. Eine Gesellschaft, die männliche Gewalt hervorbringt, kann nicht von heute auf morgen umgekrempelt werden. Aber jede Anstrengung ist notwendig, um weitere Gewalt an Frauen zu verhindern. Und das fängt mit einer Sprache an, welche die Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen fokussiert und reflektiert, einer feministischen Sprache, einem Narrativ der Gleichberechtigung. Beratungsstellen alleine werden es wohl nicht richten. Wir brauchen feministische Erzählungen in Kinderbüchern, in der Schulliteratur, in Zeitungen, in Buchhandlungen und – Bücher schreiben sich ja nicht von selbst – auf Preisverleihungen und in der Kulturförderung. Literatur ist intensive Gesellschaftsarbeit und jene, welche uns all die unterschiedlichen Geschichten liefern, müssen auch davon leben. Wir als IG Feministische Autorinnen, möchten hierzu unseren Beitrag leisten und das Bundesministerium für Frauen, Familien, Integration und Medien sollte ebenso seine Verantwortung wahrnehmen, wenn ihm eine gewaltfreie Gesellschaft wahrhaftig am Herzen liegt. Deshalb, Frau Ministerin, verschließen Sie nicht die Augen vor den Problemen und gehen Sie den Schritt in die Prävention! Kommen Sie ihrer Auffassung von Frauenpolitik als „Querschnittmaterie“ nach. Setzen Sie sich mit feministisch kompetenten Organisationen an einen Tisch und unterstützen Sie Einrichtungen, die sich um ein feministisches Narrativ bemühen.
Sehr geehrte Frau Mag.a Staatssekretärin Mayer
Die ≠igfem kämpft seit mehr als vier Jahren professionell für finanzielle und repräsentative Geschlechtergerechtigkeit im Literaturbetrieb. Wir bieten bereits jetzt, mit wenigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, ein umfangreiches Programm. Unsere vielfältigen Veranstaltungen und Initiativen umfassen Schreibgruppen mit 120 Terminen im Jahr, eine Theoriegruppe zur feministischen Sprach- und Literaturwissenschaft, Lesekreise zu feministischen Büchern, unterschiedlichste Vernetzungs- und Kooperationsgruppen, zwei EU-Projekte (das jüngste beinhaltet unter anderem Fördermittel für eine unabhängige Studie zu Arbeitsbedingungen und der generellen Lage von Autorinnen), Lesungen feministischer Autorinnen, diverse Workshops, Ausschreibungen, mehrere Publikationen, eine aktualisierte feministische Leseliste für SchülerInnen, ein Projekt zur Erforschung neuer digitaler Techniken und Entwicklungen und ihre Nutzung für und Auswirkungen auf den Literaturbetrieb, das MeToo-Monitoring zur Dokumentation von sexistischen Erfahrungen und Übergriffen im Literaturbetrieb, aktive Pressearbeit für gesellschaftliche Wahrnehmung zur Ungleichberechtigung sowie Schulungen und Austauschmöglichkeiten für Expertinnen im Literaturbetrieb. All diese Maßnahmen und Projekte zielen darauf ab, mehr Gleichberechtigung im Literaturbetrieb zu erzielen. Doch um noch mehr bewirken zu können – und vor allem die laufend geleistete Arbeit endlich fair zu entlohnen – benötigen wir dringend zusätzliche finanzielle Ressourcen. Trotz des generellen Problems fehlender Daten zur Benachteiligung von Frauen im Literaturbetrieb, konnten wir aus dem Rechnungshofbericht von 2020 eine erschreckende Erkenntnis ziehen: Der unbereinigte Gender Wage Gap im Bereich “Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten” liegt mit 49,6% sogar noch deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 36,4%. Diese Zahlen zeigen einmal mehr die dringende Notwendigkeit für monetäre und inhaltliche Förderung von Frauen, insbesondere in der Literatur. Eine feministische Schwerpunktsetzung in der Budgetverteilung ist essentiell, um die Benachteiligungen auszuhebeln und für Gleichberechtigung zu sorgen. Der in naher Zukunft anstehende Gender Report des BMKÖS ist nur ein weiteres Beispiel des schwerfälligen Versuchs, der Lage Herr (vielmehr Frau) zu werden. Obwohl wir wertschätzen, dass wir auf Einladung des Bundesministeriums mit unserer Expertise in die Entwicklung der Fragebögen durch OGM research & communication GmbH eingebunden wurden und Feedback zum Testfragebogen geben durften, der die Grundlage der “große[n] Befragung der Kunst- und Kulturinstitutionen in ganz Österreich” werden soll, mussten wir feststellen, dass die Fragestellungen an den Herausforderungen und Hindernissen vorbeigingen, mit denen Frauen in der Kunst- und Literaturszene konfrontiert sind. Mit den gestellten Fragen können die Lebensrealitäten der Künstlerinnen und Autorinnen nicht abgebildet werden, es werden schlicht die falschen Fragen gestellt, um neue Antworten zu erhalten: Auf unbezahlte und unterbezahlte Arbeit von Frauen im Kulturbereich wurde überhaupt nicht eingegangen. Strukturen im Kunst- und Kulturbetrieb, die Arbeitszeiten außerhalb der klassischen Bürozeiten vorgeben, erfordern selbstverständlich auch andere Betreuungsmöglichkeiten. Themen wie Diskriminierungsprävention und speziell auf Frauen zugeschnittene Bildungsangebote wurden nicht angeschnitten. Es braucht für repräsentative Ergebnisse zu diesen Themen schlicht einen neuen Zugang zu den Fragestellungen. Unser Feedback wurde leider nur zur Kenntnis genommen und unseres Wissens nicht in den Fragebogen einbezogen. Wir dürfen in Anbetracht Ihrer Position davon ausgehen, dass Sie sich der nach wie vor herrschenden Ungleichheit bewusst und an einer Gleichberechtigung zwischen Künstlerinnen und Künstlern interessiert sind. Dem gewaltigen strukturellen Gefälle zwischen un- oder unterbezahlt arbeitenden, selbstorganisierten Künstlerinnenverbänden, wie unserem, und den zahlreichen und üppig geförderten Institutionen unter (überwiegend) männlicher Leitung, können Sie, sehr geehrte Frau Staatssekretärin, entgegenwirken. Es ist an der Zeit, dass Autorinnen die gebührende Beachtung und Wertschätzung erfahren, die für ihre männlichen Kollegen selbstverständlich sind. Warum werden Künstlerinnen und Autorinnen nicht entsprechend gefördert? Wieso erhält die IG feministische Autorinnen im Vergleich zu alteingesessenen männlich geleiteten Institutionen um so viel weniger Förderungen? Weshalb erhalten Autorinnen und Künstlerinnen in Österreich nicht mehr Geltung und Würdigung? In inzwischen veralteten (2008 und 2012) Studien war die Benachteiligung von Literatinnen und Künstlerinnen bereits abzusehen. Bis heute wurde noch viel zu wenig getan, um strukturelle Förderungen von Literatinnen und Künstlerinnen zu finanzieren. Umso bitterer, dass nicht einmal die IG feministische Autorinnen ausreichend finanziell unterstützt wird! Um die inhaltliche Unterstützung voranzutreiben, mangelt es an dedizierten Räumen für Autorinnen und Schriftstellerinnen, die speziell für Vernetzung, Austausch, Diskussion und kreative Arbeit genutzt werden können. Zu diesem Zweck regen wir die Errichtung eines feministischen Literaturmuseums an, in dem die unzähligen fantastischen österreichischen (Bachmann! Jelinek! uvm.) und internationalen Autorinnen mit Ausstellungen und Veranstaltungen aus feministischem Blickwinkel gewürdigt werden (anders als herkömmliche Ausstellungen, in denen die männliche Perspektive der Ausstellungsmacher klar zutage tritt). In diesem Museum könnte auch die IG feministische Autorinnen mit einem Büro verankert sein und mit ausreichender Förderung ein noch umfangreicheres Programm sowie diverse Forschungsprojekte umsetzen. Darüber hinaus mangelt es an dezidierten Auftrittsmöglichkeiten, auch diese könnten in einem solchen Zentrum der feministischen Literatur mit einem Veranstaltungssaal mit Bühne geboten werden. Über diese Institution könnte dann auch eine umfassende Förderung von Rezensionen und Rezeption der Werke feministischer Autorinnen abgewickelt werden, um die Sichtbarkeit der ja in großer Vielfalt vorhandenen Literaturproduktion von Frauen zu erhöhen. Ein solches Zentrum könnte Österreich an die Spitze feministischer Literaturinitiativen stellen. Wir haben in Österreich unter Ihrer Leitung die einmalige Chance im Bereich der feministischen Literaturförderung eine Pionierinnenrolle einzunehmen und uns international im Kampf um Gleichstellung zu positionieren. Wir appellieren an Ihr Engagement für Gleichberechtigung und eine zukunftsweisende und nachhaltige Kulturpolitik: Lassen Sie diese Gelegenheit nicht verstreichen! Erkennen Sie die vorhandenen Ungerechtigkeiten an und wirken Sie ihnen entschieden entgegen. Wir alle werden mit einer vielfältigeren und reichhaltigeren Literaturszene belohnt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Gerlinde Hacker, Dorothea Pointner
Nie wieder Femizide
Brief an die Frauenministerin: Nie wieder Femizide! Mehr Frauenrechte!
Die Frauenministerin hat verlautbaren lassen, es gebe “keine Maßnahme” zur Verhinderung von Femiziden. Das ist unrichtig! Feminismus hilft! Gleichberechtigung von Frauen ist eine unabdingbare Voraussetzung, um Gewalt zu verhindern.
Im Jahr 2021 wurden in Österreich 30 Frauen ermordet. Damit ist Österreich das einzige EU-Land, in dem mehr Frauen als Männer Gewaltverbrechen zum Opfer fallen.
Täter bei Frauenmorden sind vorwiegend Männer, fast immer gibt es ein Naheverhältnis zwischen Opfer und Täter, fast immer wird Gewalt gegen Frauen im familiären Umfeld verübt und das wissen wir seit Jahrzehnten. Es ist Zeit, etwas zu tun, Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer.
Schöne Worte helfen nicht: Geld, Macht, Gewicht und Ressourcen für Gewaltschutzeinrichtungen und deren Opfer.
Die IG feministische Autorinnen fordert eine feministische Agenda in Literatur, Politik und Öffentlichkeit. Es braucht (unter anderem) ein feministisches Narrativ, eine Akzeptanz und Wertschätzung der Lebensrealitäten und Perspektiven von Frauen. Es braucht Chancengleichheit und Gerechtigkeit für Frauen.
Nie wieder Femizide!
Stärken von Frauen- und Mütterrechten! und nicht Ausweitung von Männer/Vaterrechten!
Protest hilft, schreiben Sie an: MMag.a Dr.in Susanne Raab; kurz: Frauenministerin, Bundesministerin für Frauen, Familie, Jugend und Integration im Bundeskanzleramt: susanne.raab@bka.gv.at
Bundesminister für Inneres Karl Nehammer, MSc: ministerbuero@bmi.gv.at
Bundesministerin für Justiz Dr.in Alma Zadić: minister.justiz@bmj.gv.at
Offener Brief an Bundesministerin Susanne Raab Feminismus braucht Förderung! Antwort zur Förderabsage(n)
Sehr geehrte Frau Bundesministerin MMag.a Dr.in Susanne Raab, Österreichs unrühmliche Vorreiterstellung in der europaweiten Statistik der Femizide bedeutet eine äußerste Zuspitzung patriarchaler Gewalt in unserem Land. Wir sind ein feministischer Literaturverein mit dem Ziel, Frauen zu stärken und wundern uns wie viele andere Frauen unterstützende Organisationen/Medien über Förderabsagen seitens des Bundesministeriums für Frauen, Familien, Integration und Medien. Ihre Entscheidung, die budgetäre Schwerpunktsetzung im Bereich Frauenprojektförderung auf die „Aufrechterhaltung des Gewaltschutzes“, sowie ein „ganzheitliches und kostenloses Beratungs- und Begleitangebot für Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenssituationen“ zu legen, deckt zwar eine wichtige Aufgabe ab. Wir vermissen jedoch Ihr strukturelles Verständnis von Gewalt und was Gewaltschutz in einer patriarchal geprägten Gesellschaft wie der unseren bedeutet. Dem für Frauen und gesamtgesellschaftlich unerträglichen Zustand muss mit Grundlegendem begegnet werden. Es ist Zeit, in der Frauenpolitik etwas zu ändern. Dieses gesamtgesellschaftliche Problem muss grundlegend gedacht werden. Das Patriarchat ist zwar von vorgestern, aber es hat schon Jahrtausende seine Wirkung getan. Es ist zu spät erst dort anzusetzen, wo vulnerablen Personen, worunter Frauen leider fallen bereits Gewalt angetan wurde. Effektiver Gewaltschutz erfordert Prävention und Prävention bedeutet: den Bedingungen von Gewalt auf den Grund zu gehen – der Ungleichverteilung von Macht – und daraus zu handeln. Nur mit dieser feministischen Haltung können in unseren Augen diese Strukturen überwunden werden. Es geht uns darum, dass Sie verstehen, Frau Ministerin: Das Vorhandene ist nicht neutral, vielmehr werden medial permanent unrealistische Frauenbilder und frauenfeindliche Inhalte (re)produziert. Wenn Sie diese Gewalt hervorbringenden Strukturen durch Untätig-Bleiben stützen, ist das reine Bereitstellen von Beratungsangeboten für die Opfer dieser Gewalt nahezu zynisch und bei weitem nicht ausreichend. Jede Untätigkeit ist ein Befürworten dieses für Frauen oft todbringenden Zustandes. Die psycho-physische Gewalt, welche Frauen in Österreich erfahren, beginnt wo Personen keine Stimme „haben“. Die Frage, wer darf sprechen, wessen Geschichte wird erzählt und wer wird dadurch überhaupt „wahr“genommen und wie, ist eine Machtfrage. Sprache ist also ein machtvolles Instrument. „Weibliche” Perspektiven, wie immer sie auch aussehen, werden permanent medial unsicht- und unhörbar gemacht. Dieses Verdrängt-Werden aus dem Bewusstsein Aller (auch aus dem eigenen) ist (strukturelle) Gewalt und bedeutet höchste Gefahr für Frauen. Zum Beispiel, wenn Femizide – wie so häufig in Medien – als „Beziehungsdramen“ bezeichnet werden. Das normalisiert männliche Gewalt, schont die Täter und verhindert Empathie mit Frauen. Mit der Konsequenz, dass die Verantwortung für Gewalt noch immer eher bei den Opfern statt den Tätern gesucht wird. Viel zu häufig mit tödlichen Folgen. Aber: Die Bedingungen für Empathie können (auch) hergestellt werden, weibliche Perspektiven können sicht- und hörbar gemacht werden – mit feministischen Narrativen. In Form von Literatur zum Beispiel. Eine Geschichte erzählt mir, was ich sein und werden kann in der Welt. Literatur hat die einzigartige Fähigkeit verdrängte Geschichten zu erzählen, neue Vorstellungen von (Frauen)leben zu erschaffen und die Nähe zu erzeugen, die Emphathie erfordert. Es gilt über unsere eigene Perspektive hinausblicken und zu versuchen zu verstehen, was jemand anderes erlebt, fühlt und denkt. Zu häufig wird einer Literatur der Vorrang gegeben, die immer die gleiche (patriarchale) Geschichte erzählt. Zu häufig wird die Sprache – gesellschaftlich geprägt – unreflektiert übernommen. Eine solche Literatur kann nicht über das Vorhandene hinausweisen. Es gilt den Blick zu weiten auf etwas, was noch nicht ist, jedoch sein könnte. Zum Beispiel eine Gesellschaft, in der eine Frau nicht um ihr Leben oder ihre körperliche Unversehrtheit bangen muss, wenn sie sich von ihrem Partner trennt, weil dieser Eifersucht und Besitzanspruch mit vermeintlicher Liebe legitimiert. Eine Gesellschaft, in der Frauen andere Lebensentwürfe umsetzen können und glücklich sind, statt marginalisiert zu werden. Eine Gesellschaft, die sich nicht ausschließlich an der patriarchalen Norm ausrichtet. Was wir hierfür brauchen, sind feministische Narrative in allen Lebensbereichen, und genau an dieser Stelle kommt feministischer Literatur eine tragende Rolle zu. Eine Gesellschaft, die männliche Gewalt hervorbringt, kann nicht von heute auf morgen umgekrempelt werden. Aber jede Anstrengung ist notwendig, um weitere Gewalt an Frauen zu verhindern. Und das fängt mit einer Sprache an, welche die Lebensrealitäten und -möglichkeiten von Frauen fokussiert und reflektiert, einer feministischen Sprache, einem Narrativ der Gleichberechtigung. Beratungsstellen alleine werden es wohl nicht richten. Wir brauchen feministische Erzählungen in Kinderbüchern, in der Schulliteratur, in Zeitungen, in Buchhandlungen und – Bücher schreiben sich ja nicht von selbst – auf Preisverleihungen und in der Kulturförderung. Literatur ist intensive Gesellschaftsarbeit und jene, welche uns all die unterschiedlichen Geschichten liefern, müssen auch davon leben. Wir als IG Feministische Autorinnen, möchten hierzu unseren Beitrag leisten und das Bundesministerium für Frauen, Familien, Integration und Medien sollte ebenso seine Verantwortung wahrnehmen, wenn ihm eine gewaltfreie Gesellschaft wahrhaftig am Herzen liegt. Deshalb, Frau Ministerin, verschließen Sie nicht die Augen vor den Problemen und gehen Sie den Schritt in die Prävention! Kommen Sie ihrer Auffassung von Frauenpolitik als „Querschnittmaterie“ nach. Setzen Sie sich mit feministisch kompetenten Organisationen an einen Tisch und unterstützen Sie Einrichtungen, die sich um ein feministisches Narrativ bemühen.
Mit freundlichen Grüßen
Gerlinde Hacker
Dorothea Pointner
≠igfem IG feministische Autorinnen